Auf den Bahnen der Sechstagerennen zeigen die Fahrer mit ihren Sprints von annähernd 75 Kilometern pro Stunde immer wieder übermenschliche Leistungen. Doch als Maximilian Levy bei den Six Day Berlin 2017 den Sieg davontrug - trotz eines 12 Tage zuvor gebrochenen Schlüsselbeins - kann man ihn zu Recht einen Superhelden des Sprints nennen.

 

Am 7. Januar 2017 stürzte Levy schwer und zog sich dabei den dritten Schlüsselbeinbruch seiner Karriere zu. Betroffene beschreiben den Schlüsselbeinbruch oft als eine der schmerzvollsten Erfahrungen, denen ein Mensch ausgesetzt sein kann.

Aber Levy ist kein gewöhnlicher Mann. Auch während der ärztlichen Behandlung, bei der ihm eine Metallplatte mittels Schrauben in die linke Schulter eingesetzt wurde, verlor er nie sein Ziel aus den Augen.

 

Nach einem vielversprechenden Auftritt bei den Six Day London im letzten Oktober und einem Sieg bei den Six Day Amsterdam im Dezember war Levy in Bestform für seine elfte Teilnahme am Berliner Sechstagerennen.

 

Seinen sechsten Sieg hatte er bereits in Aussicht, doch sein überraschender Sturz stellte seine Teilnahme in Frage.

Daraufhin arbeiteten er und sein medizinisches Team mit Eifer daran, ihn für das Event am 19. Januar in Form zu bringen.

„Sie haben mir eine Metallplatte eingesetzt und zwei Tage später dachte ich mir ‚warum sollte ich nicht antreten?‘, sagt der 29 Jährige. „Ich fühlte mich gut, ich wusste, wie ich mit der Verletzung umgehen musste und was ich mir zutrauen konnte und was nicht. Ich hatte gute Therapeuten und so haben wir mit speziellem Training versucht, die Schultermuskulatur zu rehabilitieren.“

 

„Bereits fünf Tage nach meinem Sturz konnte ich wieder Push Ups machen - sowas ist normalerweise unvorstellbar. Aber wenn man es richtig macht, mit speziellem Training für jeden einzelnen Muskel, dann ist es möglich.“

 

„Die Entscheidung, nach Berlin zu gehen, war dann gefallen. Ich weiß, es war nicht die beste Vorbereitung für meine Beine, so ganz ohne Bahntraining. Aber ich wollte die Teilnahme unbedingt, und das ist vielleicht manchmal wichtiger als die Frage, was gut und was nicht gut ist. Der Sieg in Berlin zeigt, dass ich immer noch gut in Form war und auch, dass ich die nötige Willenskraft hatte“

 

Zur Eröffnung des Sechstagerennen führte Levy weiterhin die „Time Trial Standings“ an, wurde von seinen Gegnern allerdings in den Match Sprints geschlagen, da er noch mit seiner Verletzung zu kämpfen hatte.

Trotzdem tat er alles für eine gute Platzierung in den „Standings“ und am Ende des zweiten Tages, als die Schrauben aus seinem Schlüsselbein entfernt wurden, fand er auch für die Sprints zu seiner alten Form zurück.

 

„Ab da wusste ich, dass ich alles gewinnen kann. Und die anderen Fahrer im Keirin haben sich fair verhalten und meine Schulter verschont,“ gibt Levy zu. „Sie wussten von meiner Verletzung und haben mich auf der linken Seite nicht angegriffen. Am Ende habe ich glaube ich mit ungefähr 10 Punkten Vorsprung gewonnen.“

 

„Die Prellungen und die Abschürfungen, die ich mir bei meinem Sturz geholt habe, schmerzten mehr als das Schlüsselbein. Freitag Abend haben sie dann die Fäden herausgenommen. Das ist vielleicht der Grund, warum es mir Samstag schon viel besser ging. Vielleicht hatte ich einfach mehr Bewegungsfreiheit?“

 

Abgesehen von seinem gebrochenen Schlüsselbein und den davongetragenen Gewebeverletzungen, fuhr Levy die Rennen außerdem mit einem ca. 1,5 cm langen Riss in der Bauchmuskulatur, durch den sich in einer Schwellung am Bauch immer wieder Flüssigkeit ansammelte, die Tretgeschwindigkeit beeinträchtigte. „Das war vielleicht mein größtes Problem“, fügt Levy hinzu. „Denn wenn ich beim Sprint in die „Superman“-Position gegangen bin, hatte ich durch die ganze angesammelte Flüssigkeit nicht genug Platz. Das war wahrscheinlich die schmerzhafteste Position beim Fahren.“

 

Die Schwellung ging etwa sechs Wochen nach Ende des Berliner Sechstagerennens zurück, doch die Folgen seiner Teilnahme in seiner Heimatstadt wirkten sich auf seine weitere Saison aus.

Nur eine Woche nach dem Event musste er erneut unters Messer, nachdem er eine allergische Reaktion auf die Metallplatte in seiner Schulter gezeigt hatte.

 

Das hieß, er war gezwungen, den Radsport eine Weile auszusetzen und obwohl er ab März wieder trainierte, musste er auf die Teilnahme an der im Monat darauf stattfinden Weltmeisterschaft in Hongkong verzichten.

 

Jetzt aber, wo seine Gesundheit vollständig wiederhergestellt ist, liegt ein Sommer des Radsports vor ihm und er konzentriert sich bereits auf einen siebten Sieg in Berlin im Januar nächsten Jahres.

 

„Ich hab ein paar Rennen der Klasse 1, um Punkte für die UCI-Rankinglisten zu sammeln und WM-Punkte für das Qualifying zu bekommen. Und im Oktober haben wir dann die Europameisterschaft in Berlin,“ fasst er zusammen. „Das ist auch eine große Sache, denn in 20 Jahren hatten wir nie ein großes Rennen in Deutschland. Das wird mein nächstes großes Ziel. Direkt nach der Europameisterschaft ist das Londoner Sechstagerennen und dann kommen direkt danach die ersten beiden Weltmeisterschaften in Polen und Manchester.“

 

„Das sind die groben Schritte, die Konzentration auf die Qualifikation für die Weltmeisterschaften und die Six Day Berlin“

 

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Max Levy - Ich bin ein Berliner

 

Maximilan Levy wurde nur etwas mehr als 500m vom Berliner Velodrom geboren, der Strecke, auf der er als angehender Radfahrer seine ersten Tritte in die Pedale absolvierte. Es ist daher keine Überraschung, dass das Berliner Sechstagerennen einen besonderen Platz in Levys Herz einnimmt.

 

Als sechsfacher Gewinner des Sprint-Events ist das Rennen jedes Jahr sein persönlicher Saisonhöhepunkt, für den er im Jahr 2017 sogar seinen Platz bei der Track-Weltmeisterschaft geopfert hat, um - wenn auch unter Schmerzen - bei dem Rennen in seiner Heimatstadt teilzunehmen.

 

Mit seinen 29 Jahren nahm Levy bereits elf mal am Berliner Sechstagerennen teil und holte sich im Laufe seiner Karriere bereits drei olympische Medaillen und vier Weltmeistertitel - aber auch 3 Schlüsselbeinbrüche. Seinen dritten Schlüsselbeinbruch trug er nur zehn Tage vor den Six Day Berlin 2017 davon, doch auch das hielt ihn nicht davon ab, zur 106. Ausgabe zu starten und gegen seinen Gegner Robert Forstmann zu gewinnen.

 

Schon seit meiner Kindheit war es mein großes Ziel, gut genug zu sein, um dort anzutreten“, sagt er. „Ich bin in Berlin geboren. Das Krankenhaus, in dem ich geboren wurde ist nur 500 Meter vom Velodrom entfernt. Und als ich mit dem Radfahren angefangen habe, habe ich in Berlin angefangen. Es war die erste Bahn, auf der ich jemals gefahren bin. Später habe ich dann nach Cottbus gewechselt, anderthalb Stunden von Berlin entfernt, wo ich jetzt lebe. Aber Berlin ist für mich wie nach Hause kommen.“

 

„Dieses Jahr war meine 11. Teilnahme am Profi-Rennen der Six Day Berlin, das ist also etwas ganz besonderes für mich. Ich bin daran gewöhnt, dort teilzunehmen und ich freue mich den ganzen Winter darauf. Wenn ich eine harte Trainingseinheit absolviere, denke ich dabei daran, wieder vor dieser wunderbaren Menge zu fahren. Ich genieße das und es gibt mir einen riesigen Motivationsschub für den Rest der Saison.“

 

Für einen Berliner ist der Gedanke an eine Januarnacht beim Berliner Sechstagerennen ein traditionsreicher Gedanke. Mit einer Siegerliste, auf der Namen stehen wie Eddy Merckx, Patrick Sercu, Peter Post und Danny Clark, ist Six Day Berlin eines der führenden Events im Winterkalender des Radsports.

 

Es sind jedoch nicht nur die historischen Größen, die die Bretter des Berliner Velodroms geadelt haben. Auch Spitzensportler wie Kenny de Kettle und Moreno de Pauw, die Titelgewinner von 2016 und andere Größen des heutigen Radsports wie Alex Rasmussen, Michael Markov und Bruno Risi haben in den letzten zehn Jahren bei der Six Day Serie viele Erfolge davongetragen.

 

Und obwohl Levy Sprinter ist waren es diese Namen, die seinen Kindheitswunsch befeuerten, eines Tages mit ihnen gemeinsam im Rampenlicht zu stehen.
„Ich war im Velodrom als ich 10 Jahre alt war und wollte dort fahren,“ fügt er hinzu. „Für mich war 2017 das sechste mal, dass ich beim Berliner Sechstagerennen gewonnen habe, aber es ist immer noch etwas Besonderes. Ich habe auch die 100. Ausgabe gewonnen und als ich 1997 mit dem Radsport angefangen habe, war es das erste Sechstagerennen das ich gesehen habe - damals mit Olaf Ludwig und Jens Veggerby.“

 

„Später war Bruno Risi der Held zu dem aufschaute. Als ich älter war, bin ich dann neben ihm gestartet.

 

"Wissen Sie, ich glaube die Namen der Fahrer die hier gewonnen haben sind nicht nur für uns deutsche Fahrer von Bedeutung.“ (“You see the riders that have won here, I think it means a lot to more than just German riders, too.”)

 

Mehr zu Max Levy findet ihr hier http://www.maximilian-levy.de/